Newsletter 2009
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Finanzdienstzentren – Quo Vadis?
 
In unserem letzten Newsletter vom März 2009 berichteten wir über den Inhalt der Liechtensteiner Erklärung und die darauffolgenden Aktivitäten der G-20 usw.

Wie erwartet, herrschte viel Heuchelei. Länder, welche den Steuerinformationsaustausch nach OECD-Standard in Frage stellten, landeten kurzerhand auf der „Grauen Liste“ – Heuchelei in einem solchen Ausmasse, dass Chinas Interesse an den SARs berücksichtigt wurde und diese somit auf keiner Liste erschienen sind. Im Grunde genommen gab es Gerüchte, dass China dem G-8 Klub gesagt hätte, dass irgendeine Erwähnung die Anwesenheit Chinas au der G-20 gefährden würde. Das ist wahrhaftig politische Macht. Andere Nationen, die gewagt hatten, die Hauptprotagonisten, d.h. Deutschland und Frankreich, zu irritieren, indem sie nicht sofort den Steuerinformationsaustausch anbieten, fanden sich ebenfalls auf der „Grauen Liste“. Erstaunlicherweise gehörten Österreich, Belgien und die Schweiz dazu.
 
Die heutigen Ergebnisse zeigen, dass viele auf der „Grauen Liste“ bilaterale Steuerinformationsaustauschabkommen (TIEA) abgeschlossen haben und entweder von der Liste gestrichen oder bereits auf die „Weisse Liste“ gesetzt wurden. Bahrain (6), Belgien (11), Bermuda (10) und Luxemburg (12) sind auf der „Weissen Liste“.

Die nach der Landesbezeichnung angeführte Zahl in Klammern gibt die Anzahl der Abkommen an, die seit der G-20-Aktion am 2. April 2009 geschlossen wurde. Gestrichen wurden zudem Antigua & Barbuda (7), Aruba (4), die Bahamas (1), die BVI (8), die Cayman Islands (3), die Cook Islands (1), Gibraltar (1), Monaco (1), Österreich (2), San Marino (1), die Schweiz (11 paraphiert, jedoch noch nicht abgeschlossen) und Singapur (1). Liechtenstein hat ein Abkommen mit Deutschland paraphiert und am 11. August 2009 mit Grossbritannien ein TIEA unterzeichnet. Nach der Absichtserklärung (MOU – Memorandum of Understanding) mit UK muss bis 2015 eine Regelung erfolgen. Neben den Zeitfaktoren gibt es eine grosse Opposition gegen die verschiedenen Bedingungen der Absichtserklärung (MOU). Die UK-Vereinbarung ist nur für im Vereinigten Königreich Steuerpflichtige von Relevanz. Liechtenstein hofft auf den Abschluss von weiteren TIEAS in der nahen Zukunft. St. Vincent ist in einer ähnlichen Lage und hat zwei Abkommen innerhalb einer angemessenen Frist sind auf den Weg gebracht.

Die OECD in Paris droht allen anderen Ländern, die bis Ende dieses Jahres keine wesentlichen Fortschritte vorweisen können, mit einer „Schwarzen Liste“. Sofern solche internationalen Abkommen nur „begründete Anfragen“ beinhalten und sogenannten „fishing expeditions“ im allgemeinen erlauben, dürften sie vernünftige internationale Transaktionen nicht behindern. Rückgratlose Politiker kritisieren weiterhin eher die internationale Wirtschaft als Auslöser derzeitiger Probleme als ihr eigenes Missmanagement. Die durch unkontrollierte Ausleihungen entstandene britische Bankenkrise und die durch eine mangelnde US-Aufsicht verursachten Madoff- und Stanford-Bankrottfälle waren selbstverschuldet. Leider ist es einfacher, die Offshore-Finanzzentren dafür zu kritisieren. Die Geschichte der AIG – als die gefährlichste Gesellschaft der Welt betitelt – ist beispielhaft für die Casino-Mentalität, die nahezu die Weltwirtschaft vernichtet hätte. Diese Mentalität herrscht vor allem in London und in den USA! Kleine Länder ohne einen grossen Bruder, der ihre Interessen schützt, sind exponiert. Chinas Einfluss auf die G-20 unterstreicht diese Art von Protektionismus. Der unverfrorene Gebrauch von politischer Macht ist ein weiteres Instrument, das eingesetzt wird. Der Beschluss der EU, dem CIA Zugang zum Swift System zu gewähren, ist unerklärlich. Der mit hohen Aufwand verbundene Umzug des Systems nach Europa erfolgte ursprünglich, um genau dies zu verhindern. Ein weiteres Beispiel dafür, wie dem US-Druck nachgegeben wird.

In Grossbritannien wird das unausgewogene Auslieferungsabkommen mit den USA weiterhin stark kritisiert, Reaktionen bleiben aber aus. Den britischen Ministern wurde vor sechs Jahren gesagt, dass das Auslieferungsabkommen mit den USA einseitig und unfair wäre. Das Abkommen sollte verhindern, dass Prozesse mit Terrorverdächtigen jahrelang hinausgezögert werden, doch wie der Daily Telegraph“ unlängst bekannt gab, wurde seit den Anschlägen vom 11. September nur ein solcher Verdächtigter ausgeliefert. Es wurden jedoch ca. 56 andere Personen ausgeliefert, hauptsächlich Geschäftsleute in Sachen, die in Grossbritannien vor Gericht verhandelt werden sollten. US-Anwälte müssen lediglich einen „begründeten“ Verdacht vorlegen, um einen Haftbefehl ausstellen zu können. Es gibt kein Gegenrecht, was ein Skandal ist. Das Abkommen entstand jedoch aus einem übertriebenen Wunsch von Blair, Bush zu gefallen. Dennoch gibt es viele unbesungene Helden, die schon immer und auch weiterhin ihre Geschäfte in einer einwandfreien und beispielhaften Weise betreiben. Natürlich hat ein rückläufiger Konjunkturzyklus negative Ergebnisse, doch kluge Geschäftsleute mit ausgewogenen Finanzen und vernünftigen Projekten sind auch unter stürmischen Bedingungen gut gerüstet. Dies ist das „Leitmotiv“ für Geschäfte von morgen, d.h. vernünftige und sinnvolle Erwartungen von Geschäftsprojekten und ganz bestimmt nicht von Ideen, die vermutlich nur ein Computer versteht. Es gibt viele positive Zeichen am Horizont. Panamas Hauptzeitung „La Prensa“ reagierte jüngst auf die Kritik des US-Botschafters an Panamas Inhaberaktien-Regime in einem Artikel, der einen Bericht des US-Senats zitierte, laut welchem Panama einen besseren Standard an Gesellschaftstransparenz als die USA hat. Es stand auch darin, dass die USA „für das Recht auf eine Steuerpolitik kämpfen sollte, um Auslandsinvestitionen anzulocken – es sollte eine Allianz gegen die Absichten anderer Länder geben, eine Steuerwettbewerb zu verhindern und insbesondere gegen die von der erdrückenden Bürokratie der OECD geförderten Initiativen“ – die National College of Attorneys von Panama fügte hinzu, dass „es nicht richtig ist, dass die USA andere Länder auffordern, etwas zu tun, was auf US-Territorium nicht getan wird“. Diese Forderung könnte an viele andere Hochsteuer-Nationen gerichtet werden. Panama geniesst scheinbar eine gewisses Wohlwollen der USA, was natürlich mit hohen US-Investments verbunden ist. Panama bleibt auch für unsere Branche ein interessantes Land, von dem wir umfassende Dienstleistungen anbieten. In der Zwischenzeit beschreiten andernorts in der Welt Offshore-Finanzzentren (OFC), wie z.B. Malaysia mit Labuan, neue Wege. Die G-20 haben Malaysia auf die „Grauen Liste“ gesetzt, doch inzwischen wurden OECD-Mindeststandards vereinbart und Malaysia wird auf die „Weisse Liste“ kommen. Labuan spielt eine Rolle als Zentrum für die Entwicklung des islamischen Finanzrechts und ist führend bei der Ausgabe von „sukuks“ (mit dem Scharia-Recht konforme islamische Bonds).

Wir haben Klienten, die Labuan nutzen, um von den verschiedenen DTAs zu profitieren, die Malaysia insbesondere mit osteuropäischen Nationen hat. Wir halten Labuan/Malaysia für eine effiziente Jurisdiktion. Mit den Bundestagswahlen in Deutschland in diesem September und in Grossbritannien spätestens im Mai des nächsten Jahres ist ein Wandel des politischen Klimas und die Rückkehr zur Vernunft möglich. Wir sollten jedoch alle „auf der Hut“sein.

Nachrichten von der Jeeves Group

Singapur:

Dieser Stadtstaat erfüllt weiterhin alle Erwartungen als alternatives Finanzzentrum für den Fernen Osten. Aufgrund von Chinas Wohlwollen hat Singapur eine vorteilhafte Position und kann zu allen überrissenen Forderungen der OECD und der USA und EU im besonderen „nein“ sagen. Singapur hat bestätigt, dass es gerne den Forderungen nachkommt, dass es sich aber nicht manipulieren lassen will.

Die Gesellschaft der Jeeves Group in Singpur – Lexadmin Trust Services Pte Ltd. (LTS) kommt der wachsenden Nachfrage von dort eingetragenen Gesellschaften nach sowie von Gesellschaften und Stiftungen, die in anderen Jurisdiktionen wie z.B. St. Vincent, Panama und St. Kitts eingetragen sind, jedoch von LTS-Singapore verwaltet werden. LTS kümmert sich auch um Bankkonten und Finanzfazilitäten für Onshore- und Offshore Jurisdiktionen.

Neuseeland:

Wir haben in Neuseeland unsere eigene Treuhandgesellschaft – die Centurion Trust Co. Ltd. errichtet, die uns ermöglicht, Trusts und Gesellschaften von einem Land der „Weissen Liste“ anzubieten.

Solche Gesellschaften und Trusts können natürlich auch andernorts Tochtergesellschaften halten. Eine beliebte Struktur ist ein neuseeländischer Trust mit einer in Singapur eingetragenen Tochtergesellschaft.

Panama:

Wie bereits oben im Leitartikel erwähnt, hat Panama eine Sonderposition in der Welt der Offshore-Finanzzentren inne. Wir haben festgestellt, dass Schweizer Intermediäre, welche die Liechtenstein-Deutschland-Diskussion lästig finden, sich verstärkt andernorts umschauen. Indem sich eine lateinische Sprache als Alternative zu Englisch anbietet, sind Panama-Stiftungen und –Gesellschaften eine echte Alternative für beispielsweise St. Kitts oder St. Vincent. Um dieses Marktsegment zu bedienen, weiten wir über die Jeeves Group (Panama) Corporation unsere Dienstleistungen auch auf Panama aus.

Steuerkonforme Versicherungslösungen

Die OPT Overseas Pensions Trust Co. Ltd. – eine Gesellschaft der Jeeves Group – spezialisiert sich auf alternative Versicherungsangebote für britische Steuerpflichtige, um im vollen Umfang in den Genuss ihrer Pensionsgelder zu gelangen. Ein Joint-Venture wurde mit der Versicherungsgesellschaft Valorlife ausgehandelt, einer Tochter der Schweizer-Vaudoise-Versicherungsgruppe. Vaudoise wurde vor mehr als 100 Jahren gegründet, ist eine der grössten Schweizer Versicherungsgesellschaften und hat ein Jahresprämieneinkommen von CHF 2 Mrd. Da Liechtenstein Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ist, hat es direkten Zugang zu allen EU-Märkten, was bei der Schweiz als EFTA-Mitglied nicht der Fall ist. Valorlife ist mit FSA-Genehmigung registriert.
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